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Der Verein in den Medien 2000

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Rhein-Neckar-Zeitung, Mittwoch, 22.11.2000

Hilfe für Kinder in Gaza

Verein "Hilfe zur Selbsthilfe" Walldorf bittet um Spenden

Walldorf. (red.) Seit einem Jahr unterstützt der Verein Hilfe zur Selbsthilfe» Walldorf ein Rehabilitationszentrum für behinderte Kinder in Gaza. Bisher wurden Rollstühle finanziert und die Patenschaft für vier mehrfach behinderte Kinder übernommen. Die sich rapide verschlechternde wirtschaftliche Situation in dem palästinensischen Autonomiegebiet macht es nun aus der Sicht des Vereins "Hilfe zur Selbsthilfe" dringend erforderlich, diese Patenschaften fortzusetzen.

Ursprünglich hatte man dafür auf Mittel aus einem Sozialfonds zurückgreifen wollen. Doch wegen der politisch-wirtschaftlichen Situation in Palästina seien diese Mittel nun nicht mehr sicher, so Doris Bernzen vom Verein

Sind auf Hilfe angewiesen: Die behinderten Kinder eines Rehabilitationszentrums in Gaza. Der Verein Hilfe zur Selbsthilfe Walldorf" hat bisher Rollstühle finanziert und die Patenschaft für vier mehrfach behinderte Kinder über-nommen.

Diese Hilfe soll fortgesetzt werden - auf Grund der aktuellen poli-tischen Situation in Palästina unter erschwerten Bedingungen.       Foto: Privat

 

"Hilfe zur Selbsthilfe". Deshalb die Bitte des Vereins um finanzielle Unterstützung beziehungsweise um Überlassung von Rollstühlen und Gehhilfen.

Für eine Patenschaft werden pro Kind jährlich 4000 Mark benötigt. Darin enthalten sind das Schulgeld sowie eine aufwendige medizinische und therapeutische Betreuung der mehrfach behinderten Kinder und der Kauf der dafür notwendigen therapeutischen Hilfsmittel. Inzwischen hat der Verein auch Nachricht von der Leiterin des Rehabilitationszentrums erhalten, die voll Dankbarkeit von den enormen, Fortschritten der Walldorfer Patenkinder berichtet.

Für Beträge ab hundert Mark werde der Verein auf Wunsch Spendenbescheinigungen ausstellen, so Doris Bernzen, deren Dank den Spendern schon jetzt gewiss ist. Die Bankverbindungen des Vereins " Hilfe zur Selbsthilfe Walldorf " sind: Sparkasse Heidelberg: Nr. 57 707 674, BLZ 672 500 20, Volksbank Wiesloch: Nr. 18 013 800, BLZ 672 922 00. Für weitere Informationen kann man sich wenden an: Ulrike Steiger, Projektbegleiterin, Tel. 0 6227 / 61644 (ab 16 Uhr) und Doris Bernzen, 1. Vorsitzende, Tel. 0 6227 617291

Die Spenden aus der Bevölkerung wolle man verwenden für die Fortführung der Patenschaften, aber auch für den Kauf weiterer Gehhilfen und Rollstühle, mit denen der Verein noch anderen Kindern den Besuch des Rehabilitationszentrums ermöglichen wolle.

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Rhein-Neckar-Zeitung, Donnerstag, 13.Juli 2000

Entdeckungsreise
in ein unbekanntes Land

Dr. Hans Horn und Dr. Siegfried Tuengerthal stellten beim Freitagsgespräch das afrikanische Land Burkina Faso vor.

 

Walldorf. (wie) Das Juli-Freitagsgespräch der Sparkasse Heidelberg in ihrem Walldorfer Haus hatte außerordentlich informativen Charakter und handelte über" Burkina Faso Unbekanntes Land in Westafrika". Als Referenten begrüßte Klaus Engwicht die Walldorfer Dr. Hans Horn, der den Bereich Landesnatur mit Tier und Pflanzenwelt zum Thema hatte, und Dr. Siegfried Tuengerthal, der sich der politischen Situation, der Menschen und ihrer Le-bensumstände annahm. Beide sind exzellente Kenner, Afrikas und besonders Burkina Fasos. Als Weiteres kam noch die Initiative des Vereins "Hilfe zur Selbsthilfe" zur Sprache.

Für diesen, einen der jüngsten Walldorfer Vereine, ging die zweite Vorsitzende Hanne Meißner auf das Projekt einer Patenschule im Land Burkina Faso ein, die sich in der Nähe der Hauptstadt Quagadougou befinde und in der mit Hilfe des Vereins Lehrwerkstätten auf- und aus-gebaut werden, in der Jugendliche, besonders Mädchen, so etwas wie eine Berufsausbildung bekommen sollen . Stellwände im Eingangsbereich der Sparkasse hatten auf das Projekt hingewiesen, und der besondere Dank von Meißner galt den beiden Vortragenden, die ihr Honorar für den Ausbau dieser Patenschule spendeten.

Burkina Faso, das bis 1984 Obervolta hieß, liegt am Süd-rand der Sahara. Es ist umgeben von der Elfenbeinküste, Ghana, Togo, Benin, Niger und Mali und hat keinen di-rekten Zugang zum Meer. Das Land liegt größtenteils auf einem Hochplateau von 400 bis 700 Metern über dem Meer. Die drei Hauptflüsse, der Schwarze, Rote und Weiße Volta, bilden die Lebensadern des Landes und haben auf ihrem Weg südwärts nach Ghana tiefe Schluchten gegraben.

Das Klima ist heiß mit unterschiedlich langen Regenperi-oden, so dass sich verschiedene Vegetationszonen ergeben. Der Norden des Landes reicht in die unfrucht-bare Sahelzone hinein und ist durch Buschland und Halbwüste geprägt (Dombuschsavanne). Der größte Teil des Landes ist Trockensavanne, ein Grasland mit Akazien, vereinzelten Affenbrotbäumen und dem hochgiftigen Sodomsapfel. Im Süden ist die Regenzeit am längsten und die Feuchtsavanne mit Bäumen und einer Langgrasdecke verbreitet.

 

Die Tierwelt ist typisch für Afrika: Zebras, Antilopen, Gazellen, Elefanten usw. Die kleineren Tierarten, die den Menschen teilweise gefährlich werden können, sehen im Dia gut aus: Achatschnecken, Kaiserskorpione mit einer Länge bis 24 Zentimeter, Falltürspinnen, Vogelspinnen, Walzenspinnen sowie die Gottesanbeterin, Schlangen, Chamäleons und Landschildkröten, die selten geworden und vom Aussterben bedroht sind. Die "Kiefernsoldaten' wurden früher zum völlig antiseptischen Blutstillen verwendet, denn ihr Biss wirkt wie eine Klammer und verschließt die Wunde. Der bis zu 1,8 Meter lange Nil-hecht ist eine Delikatesse ebenso wie Elefantenfleisch,

Die Bevölkerung ist im allgemeinen sehr arm und vor-wiegend in der Landwirtschaft beschäftigt. Angebaut werden Erdnüsse, Baumwolle (Hauptexportartikel) und Sesam als Handelsgüter; der Ernährung dienen vorzugs-weise Hirse und Mais, Gemüse, Früchte und Gewürze. Die Ernte geschieht grundsätzlich noch von Hard, moderne Agrartechniken haben noch keinen Eingang gefunden. Im Norden und Osten wird auch Rinder und Ziegenzucht betrieben. An Mineralien wird Goldquarz gefördert, auch Manganerz und Kalkstein. Die Industrie ist weitgehend auf die Nahrungsmittelverarbeitung beschränkt. Energie wird aus importierten Brennstoffen gewonnen.

Im Norden gibt es noch Nomaden, die in leichten, aus Geflecht aufgebauten transportablen Hütten leben. In der Landesmitte wurden die Mossi, die ungefähr die Hälfte der elf Millionen Gesamtbevölkerung, ausmachen, sesshaft. Hier gibt es feste Gehöfte aus Lehmziegeln mit Wohngebäude, Vorratsgebäude und Schutzwänden und dächern für die Ziegen. Aus dem Südwesten wurden Bilder von schönen Lehmburgen mit “Dachterrassen" und Getreidespeichern gezeigt. In der Hauptstadt Quagadougou, in der mehr als eine Million Menschen leben eine weitere große Stadt ist Bobo Dioulasso , sieht man große Betonbauten im einheimischen Baustil, die Krankenhäuser, Büros und dergleichen beherbergen. Zentrum des öffentlichen Lebens sind die Märkte, auf denen gearbeitet wird und wo man die verschiedenen Berufsgruppen bei ihrer Tätigkeit sieht. Zwischenzeitlich sei auch die volkswirtschaftliche Bedeutung der eigenen Künste erkannt worden interessante Exemplare aus die-sem Bereich konnten besichtigt werden. Die Staats und Regierungsform ist eine parlamentarische Republik, wobei jedoch noch Stammeskönige der verschiedenen Be-völkerungsgruppen eigene Machtbereiche haben. Offi-zielle Landessprache ist Französisch. Mehr als die Hälfte der Bewohner hängt noch Naturreligionen an, dann folgen mit mehr als 30 Prozent Muslime und mit ungefähr zehn Prozent Christen. Große Probleinfelder sind das hohe Analphabetentum, die Gesundheit und Hygiene, die Ernährung, die Wasserversorgung, die in einigen Landesteilen sehr kostspielig ist, und die Abfallent-sorgung.

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Rhein-Neckar-Zeitung, Samstag 13. Mai 2000

Im Mittelpunkt:
Hilfe für Kinder und Familien

Der Walldorfer Verein „Hilfe zur Selbsthilfe“ betreibt
„kommunale Entwicklungshilfe“ – Paten und Spender gesucht

Walldorf. Der Name ist Programm. Seit einem Jahr gibt es in der Astorstadt den „Verein Hilfe zur Selbsthilfe“, der sich der ,kommunalen Entwicklungspolitik" verschrieben hat. Gefördert werden vor allem kleine Projekte in den Not leidenden Ländern dieser Erde. Im Mittelpunkt steht dabei die Hilfe für Kinder und Familien. Es geht um Erziehung und schulische Ausbildung, um Lehre, medizinische Versorgung und Gesundheitserziehung. Dabei will man vor allem eine Anschubfinanzierung geben. Länger als fünf Jahre soll die Förderung nicht währen, danach muss das Projekt von selbst laufen: Wir wollen die Leute motivieren, sich selbst zu engagieren', sagt Doris Bernzen.

 

 

Dank der Hilfe aus Walldorf hat die private Grundschule von Wend Raabo im westafrikanischen Burkina Faso mittlerweile sechs Klassenzimmer, in denen 230 Schüler unterrichtet werden. 69 von ihnen sind Waisen. Für sie sucht der Verein "Hilfe zur Selbsthilfe" Paten.

Sie ist die Vorsitzende des Vereins, der im März 1999 mit 30 Leuten gegründet wurde und jetzt schon 113 Mitglieder zählt. Rund 64 000 Mark konnten im ersten Jahr des Bestehens gesammelt werden auch dank eines Zuschusses von 30 000 Mark durch die Stadt, für die das Projekt Teil der lokalen Agenda 21 ist. Deren Prinzip ist die Nachhaltigkeit und die Verantwortung für die folgenden Generationen. Eine Verantwortung, die sich nach Ansicht von Doris Bernzen jedoch nicht allein auf die eigene Gesellschaft beschränken darf, sondern auch an andere denken muss. Wichtig ist den Initiatoren, dass das gesammelte Geld nahtlos und ohne Abstriche in die Projekte fließt. 1999 waren es gerade Mal 14,40 Mark, die als Verwaltungskosten anfielen und zwar für die Registrierung des Vereins beim Amtsgericht, wie Doris Bernzen stolz bemerkt.

Aktuellstes Projekt des Vereins Hilfe zur Selbsthilfe" ist die Unterstützung eines Kinder und Jugendhauses im brasilianischen Säo Lourenco do Sul. Dort werden zirka 140 Kinder bis zum Alter von 14 Jahren betreut. Angebote für die älteren Kinder fehlen jedoch bislang. Deshalb sollen eine Lehrbäckerei, eine Druckerei sowie eine, Wäscherei mit Hol und Bringservice eingerichtet werden in denen die Kinder Ausbildungsmöglichkeiten erhalten, um dem Teufelskreis der Armut entfliehen zu können. Der Verein "Hilfe zur Selbsthilfe" will dieses Projekt mit Sach- und Geldspenden unterstützen. Gesucht werden zum Beispiel Kuchenformen, Bleche, Rührmaschinen, Mixen und Waffeleisen für die Bäckerei Kopierer, Schreibmaschinen und PC (nicht älter als Windows 95) für die Druckerei; sowie Bügelbretter, Bügeleisen und Mangeln für die Wäscherei. Angenommen wir die Ware am Samstag, 20. und 27. Mai, jeweils zwischen 10 und 12 Uhr in der ehemaligen AWO-Halle in der Wiesenstraße (unter der Firma Session).

Einiges ist sogar schon vorhanden. So hat die Walldorfer Firma Schäfer eineinhalb Tonnen Wäsche gespendet. Und auch der Transport der  Hilfsgüter nach Brasilien ist prak-tisch gesichert. Das Walldorfer Unternehmen Walpa hat den kostenlosen Transport des Containers bis zum Hafen

 

übernommen und von da an trägt die Gesellschaft für tech-nische Zusammenarbeit (GTZ) die Transportkosten bis zum Bestimmungshafen. Die GTZ, die mit dem Entwicklungshilfeministerium zusammenarbeitet und Förderanträge in fachlich-technischer Hinsicht prüft hat das Walldorfer Projekt inzwischen anerkannt. Für Sigrid Tuengerthal, die Schriftführerin des Vereins, ist die Förderung durch die GTZ Zeichen dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind und es richtig machen". Allerdings hatte man sich die Förderkriterien der GTZ auch von vornherein zur Richtschnur genommen.

Auch bei einem anderen Projekt hat man schon mit der GTZ zusammengearbeitet. Gemeint ist die Unterstützung einer privaten Grundschule in dem westafrikanischen Land Burkina Faso. Bereits 1995 hat das Walldorfer Gymnasium eine Patenschaft für diese Schule übernommen, die vor Ort durch einen Mitarbeiter der GTZ betreut wurde. Seit vergangenem Jahr gehört die Schule nun in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium auch zu den Förderprojekten des „Vereins Hilfe zur Selbsthilfe“. 7000 Mark konnte man im vergangenen Jahr dorthin überweisen Geld, das dringend benötigt wird. Denn Burkina Faso ist Sigrid Tuengerthal zufolge, eines der ärmsten Länder der Welt und hat mit 25 Prozent eines Jahrgangs die niedrigste Einschulungsquote des afrikanischen Kontinents.

Die Grundschule Wend Raabo in Nioko verfügt inzwischen dank der Hilfe aus Walldorf über sechs Klassenzimmer (anfangs waren es zwei) und beherbergt 230 Schüler. Das Besondere dabei: Mehr als die Hälfte von ihnen sind Mädchen, die sonst kaum zur Schule gehen dürfen. Gerade dieser hohe Mädchenanteil ist dem Verein «Hilfe zur Selbsthilfe» wichtig. Außerdem nimmt man sich der 69 Waisenkinder an, die die Schule besuchen. Für sie sucht Sigrid Tüngerthal Paten. Schon 75 Mark reichen der Helferin zufolge aus, um einem Kind den Besuch der Schule inklusive Schulgeld und Lehr-material für ein ganzes Jahr zu ermöglichen. Wer, Interesse an einer solchen Patenschaft hat, der kann sich an Sigrid Tüngerthal wenden, Telefon 0 62 27/6 17 34.

 

Der Teufelskreis der Armut herrscht im brasilianischen Sao Lourenco do Sul. Der Verein Hilfe zur Selbsthilfe" will ihn durchbrechen helfen, indem er den Aufbau von Lehrwerkstätten in dem Kinder und Jugendhaus des Ortes unterstützt. Das Inven-tar für die Lehrbetriebe soll über Sachspenden zusammen-kommen.                                                              Foto: privat

Die Schule in Burkina Faso (das frühere Obervolta) ist eines von vier Projekten, die der «Verein Hilfe zur Selbsthilfe» im vergangenen Jahr gefördert hat. Hilfe erhielten daneben auch das Wirtschaftsgymnasium Hanse Kogge in Kaliningrad/Russland (hier besteht seit einigen Jahren ein Schüleraustausch mit der Walldorfer Realschule) und ein Rehabilitationszentrum für behinderte Kinder im palästinensischen Gaza, dem dank einer großzügigen Spende der Mannheimer Heinrich Vetter Stiftung insgesamt rund 14 000 Mark übergeben werden konnten, zudem dank der Hilfe von Sopur und AOK eine ganze Reihe von Rollstühlen. Schließlich hilft der Walldorfer Verein gemeinsam mit Ärzten und Apothekern aus der Astorstadt beim Wiederaufbau einer Krankenstation im mexikanischen Huehuetla. Insgesamt 8000 Mark wurden hierfür ausgezahlt.

Auch in Burkina Faso geht die Hilfe weiter. Neben dem Bau von Lehrwerkstätten (Schneiderei und Schreinerei) für Jungen und Mädchen will man vor allem versuchen, den Kindern der Grundschule zwei Mal in der Woche eine warme Mahlzeit zu verschaffen. Schon etwa 3000 Mark reichen Sigrid Tuengerthal und Doris Bernzen zufolge aus, um alle 230 Kinder einen Monat lang zu ernähren.

Ein Schwerpunkt dieses Jahres, wird die Unterstützung des Kinder und Jugendhauses von Säo Lourenco do Sul in Brasilien sein. Die dort geplanten Ausbildungsbetriebe sollen stufenweise realisiert werden und werden vor-aussichtlich rund 33 000 Mark kosten. Geldspenden wer-den da natürlich gerne angenommen. Das Stichwort lautet "Säo Lourenco".

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Rhein-Neckar-Zeitung, Freitag, 05.05.2000
 

Not nicht als naturgegebenes
Schicksal hinnehmen

Hilka Koch las in der Stadtbücherei aus ihrem Buch "Der weiße Condor - eine etwas andere Reise"

 

Walldorf. (Wie) In einer Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Verein "Hilfe zur Selbsthilfe" und der Buchhandlung Helga Föll stellte die Stadtbücherei Hilka Koch mit einer Lesung aus ihrem Buch" Der weiße Condor - eine etwas andere Reise" vor. Ihr Bericht handelte in Reportageform und Gedichten von einer Reise nach Bolivien und Peru vor allem über die Lage der dortigen Straßenkinder. Er wurde begleitet von aussagekräftigen Farb-Dias, die überwiegend von ihr selbst stammten, landesspezifischer Musik von Gitarre, Panflöte und Singstimme und Folklore-Tänzen der Inkas aus den Anden.

Durch diese Vielfalt kam man, wie es die Büchereileiterin Renate Büchner bei ihren Grußworten erhofft hatte, am Wesen des Gesamtkunstwerkes nahe. Was dem Thema außerordentlich dienlich war. Die Verbindung mit dem Walldorfer Verein Hilfe zur Selbsthilfe" war dadurch gegeben, dass, wie die erste Vorsitzende Doris Bernzen ausführte, man sich in ihm auch bei Projekten in Lateinamerika engagiert.

Hilka Koch ist Mitarbeiterin des Kinderhilfswerks "Terre des hommes". Sie ist in Oldenburg/Niedersachsen geboren und wohnt jetzt in Bad Zwischenahn. Seit vielen

Jahren schreibt sie Prosa und Gedichte. Texte von ihr sind in zahlreichen Anthologien, Kalendern und Zeitschriften, im Hörfunk und im Literaturtelefon veröffentlicht. Ihr Buch erschien im November 1999 im Isensee-Verlag Odenburg. Die Reise wurde im Auftrag von "Terre des hommes" gemacht -eine Sommerreise, die in den Winter führte, dort, "wo alles so heftig aufeinander prallt: Hitze und Kälte, Fülle und Lärm der Städte, Leere des weiten Landes und Stille der Berge, prachtvoller Reichtum und bitterste Armut."

Ausgangspunkt der Reise war die Stadt Cochabamba, in der einst der Zinnbaron» Simón Patino residierte, der gemeinsam mit zwei anderen reichen Familien den Zinnbergbau beherrschte. Erschütternd waren die Aussagen der Autorin über die Kindersterblichkeit und die Lebensumstände. "Das Recht zu leben besteht nicht nur darin, geboren zu werden, sondern auch leben zu können", postuliert sie, "die Kinderrechte müssen vor Ort erkämpft

 

werden". In Bolivien sind 23 Prozent der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung Kinder. Die Kinderarbeit beginnt im Alter von sieben bis neun Jahren.

Hilka Koch begegnet auf ihrer Reise Menschen, die Not nicht als naturgegebenes Schicksal hinnehmen. So wird beispielsweise im Zirkus von Kindern, die einen Traum vom Leben träumen, spielend ein Lehrstück für Erwachsene aufgezeigt. Im Gefängnis, das für 60 Gefangene gedacht ist, leben 600 Personen, weil Familien ihren Männern, die inhaftiert wurden - zum Beispiel wegen Verstößen gegen das Antidrogengesetz - nachgezogen sind. Ganz wichtig ist für sie der Gedankenaustausch, das Wissen um die Welt des Anderen, des Fremden, der zum Freund werden soll.

Sie gibt dabei interessante Einblicke in die Vielfältigkeit von Eine-Welt-Projektarbeit. Aus den gewonnenen Erfahrungen heraus stellt sie fest, dass der Begriff "Hilfe zur Selbsthilfe» nicht zu eng definiert werden dürfe und eine Begleitung von Projekten oft langwierig sei, bis das Endziel der alleinigen Lebensgestaltung ohne notwendige fremde Hilfe erreicht ist: "Was wäre die Welt wert, wenn nichts mehr zu verändern wäre?"

Natürlich geht sie auch auf Spurensuche. Vor allem in Peru, dem größten Andenland ' das zu beginn des 16. Jahrhunderts zum Inkareich, dem größten und kulturell am weitesten entwickelten Staatswesen des vorspanischen Amerikas gehörte. Hierzu gab es eindrucksvolle Bilder und dazu passten dann auch die Tänze der Peruanerin Silvia Birkner und ihrer Schülerin Dagmar Bradneck. Silvia Birkner stammt aus Cajamarca, dem einstigen Sitz des letzten Inkakönigs Atahualpa, lebt seit 1992 in Heidelberg und arbeitet seit zwei Jahren in Wiesloch als Tanzlehrerin.

Drei Tänze wurden in Originalkostümen dargeboten: "EI condor pasa" (Der Kondor fliegt vorüber) beschreibt die Anbetung der Sonne als Gottheit, "La cueca marinera" spiegelt in seiner Lebendigkeit die Charaktere der drei Regionen Perus - das Geheimnisvolle des Urwaldes, die Festlichkeit der Andenregion und die Grazie der Küste - wider und "Valicha - carnaval de, Tinta " hat seine Bühne auf den Erntefesten und wird zu Ehren der Dorf - und Stadtheiligen aufgeführt.

Der erfreulich gut besuchte Abend übte so eine doppelte Wirkung aus. Er diente der Wissensbereicherung, brachte damit viele neue Erkenntnisse und ging eindrücklich auf Zustände in Lateinamerika ein, die dringend einer Änderung bedürfen.

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Rhein-Neckar-Zeitung, Montag, 10.04.2000
 

Hilfe aus Walldorf geht in alle Welt

Verein "Hilfe zur Selbsthilfe" blickte auf die Aktivitäten des ersten Geschäftsjahres zurück.
 

Walldorf. (caro) Sehr erfolgreich" habe der Verein "Hilfe zur Selbsthilfe" im ersten Geschäftsjahr gearbeitet. Mit dem Ziel, " kleine, überschaubare Projekte vor Ort zu unterstützen, habe man positive Ergebnisse erreicht, meint Doris Bernzen, erste Vorsitzende des im März 1999 gegründeten Vereins auf der Jahreshauptversammlung. Schwarze Zahlen schreibe der Verein nicht zuletzt auf Grund eines Zuschusses des Walldorfer Gemeinderates von 30 000 Mark.

"Hilfe zur Selbsthilfe" heißt das Motto des Vereins. Nach bestimmten Richtlinien werden weltweit Projekte ausgewählt, die mit Geld- und Sachspenden unterstützt werden. Vor allem geht es darum,> dass die Projekte nach einer gewissen Anlaufzeit auf eigenen Beinen stehen können. Während der Versammlung stellten die jeweiligen Projektleiter ihre bisherige Arbeit vor und die weiteren Maßnahmen, die zur Unterstützung geplant sind. Realschullehrerin Christa Birkenmaier ist für die Kooperation mit einem privaten Wirtschaftsgymnasium in Kaliningrad verantwortlich, mit welchem die Realschule Walldorf seit vier Jahren einen Schüleraustausch unterhält und das sie mit Geld- und Sachspenden unterstützt. "Dringendster Wunsch ist nun ein eigenes Schulgebäude. Bisher mussten sich die Schüler das Gebäude mit einer anderen Schule teilen." Der Verein will nun zusammen mit der Realschule die Ausstattung von Chemie- und Physikräumen des neu geplanten Gebäudes finanzieren.

Horst Hennl, Direktor des Gymnasiums Walldorf, kümmert sich um den Aus- und Weiterbau einer privaten Grundschule in Burkina Faso in Westafrika. Dabei handelt es sich um die Patenschule des Gymnasiums Walldorf. Für den Verein steht nun die Einrichtung einer Lehrwerkstatt mit Tischlerei und Näherei im Vordergrund damit sich die Kinder nach der Schule später selbst versorgen können." Mit dem Verkauf von Möbeln und Kleidern kann hier auch

 

die zukünftige Selbstständigkeit der Schule gesichert werden.

Ulrike Steiger berichtete über das Rehabilitationszentrum für behinderte Kinder in Gaza. Mit gespendeten Rollstühlen und Geld konnten vier weitere behinderte Kinder in das Reha-Zentrum aufgenommen werden, das sich mitten in einem Flüchtlingslager befindet. "Die Menschen sind hier nahezu in einer ausweglosen Situation", schildert Ulrike Steiger die Lage. Der Verein will weiterhin die "medizinische und therapeutische Betreuung" unterstützen.

Als nächstes Thema stand der Wiederaufbau einer Krankenstation in Huehuetla in Mexiko auf der Tagesordnung. Mit den Folgen der verheerenden Umweltkatastrophe im Oktober letzten Jahres habe man heute noch zu kämpfen. Projektbetreuerin Hanne Meißner wies darauf hin, dass es am meisten an der medizinischen Ausstattung mangele, wie zum Beispiel an einem Blutzuckermessgerät.

Im Anschluss wurden jene Projekte vorgestellt, deren Übernahme vom Verein geprüft werden. Dazu gehört das Frauenhaus "Ananda Kendra" in Westbengalen in Indien, das bisher von der Schatztruhe in Walldorf unterstützt wird. Die Frauen sollen hierbei eine Aus- und Weiterbildung erhalten, die sie nach zwei Jahren dazu befähigt, ihren Lebensunterhalt selbst zu finanzieren. Auf der Prüfliste steht außerdem ein Kinder- und Jugendhaus in Sao Lourenco do Sul im Süden Brasiliens. Konkret sind hier eine Lehrbäckerei, Druckerei und Wäscherei sowie die Möglichkeit zu einer Büroausbildung geplant.

Eine andere Einrichtung in Brasilien, die gegebenenfalls vom Verein unterstützt wird, ist eine Kindertagesstätte in Cascavel, in welcher Kinder im Alter von einem Monat bis sechs Jahren aus ärmsten Familien und Alleinerziehenden betreut werden. Das Problem ist hierbei, dass "man ins Schleudern geraten ist, weil die staatlichen Gelder gestrichen worden sind", erklärt Manfred Uhl.

Informationen über den Verein gibt es bei Doris Bernzen, Erlenweg 13 in Walldorf, Telefon 0 62 227/6 17 29.

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