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Ein Dankesbrief per eMail von Elsa Timm
an den Vereinsvorstand vom 26.Juli 2011
(Übersetzung von Claudia Frey)

 

Ich habe gerade 10 Tage Urlaub, leider liege ich aber seit Sonntag mit einer heftigen Grippe im Bett und habe deshalb diese Woche keine Hausbesuche machen können.

Trotzdem möchte ich Euch sehr gerne berichten, wie die Situation hier derzeit aussieht:  Langsam kommt São Lourenço wieder in seinen normalen Takt. Nach der Überschwemmung waren alle komplett richtungs- und strukturlos. Es ist nun außerdem ein sehr kalter Winter geworden, wir hatten viel Regen und auch Frost und Minusgrade. Natürlich trifft auch das wieder die Ärmsten am Schlimmsten, die in ihren zugigen, undichten Hütten leben, die Kinder oft ohne Schuhe oder nur mit Flipflops.

Ein Patenkind, um das ich mir immer wieder große Sorgen mache, ist Emily, das Patenkind von Fritzi aus Freiburg. Schon Emilys Mutter ist in unserem Kinderheim aufgewachsen, nach Emily hat sie vor 8 Monaten noch eine Tochter bekommen, Vìtoria. Ich habe sie jede Woche besucht und versucht, die Familie so gut es geht zu unterstützen. Aber heute musste ich erfahren, das Vitoria an einer Lungenentzündung gestorben ist.

Was die Arbeit mit den Patenkindern und ihren Familien angeht, so ist das jetzt anders als vor der Überschwemmung. Hier in São Lourenço gab es ja eine gute Struktur für die armen Familien, viel davon ist jetzt kaputt. Viele der Werkstätten sind zerstört, so z.B. die Werkstatt, in der sich Mütter selbst ihre Winden anfertigen konnten. Eine Schule, die nur Schüler aus den Armenvierteln aufnimmt, hat ihre Musikinstrumente verloren, sie sind alle weggeschwommen und kaputt gegangen. Hier in meinem Haus sind wir gesessen und haben unendlich viele Möbelstücke, Kühlschränke, Fernseher und viele, viele Instrumente vorbeischwimmen sehen. Auch eine Kindertagesstätte, wo die armen Kinder und Jugendliche nach der Schule hin konnten, betreut wurden und essen bekamen, wurde erst dieser Tage wieder eröffnet. Bis vorgestern haben Familien dort gewohnt, deren Hütten zerstört waren.

Wir versuchen, Geld aufzutreiben, von den Banken und Geschäftsleuten, um wieder aufzubauen, was zerstört wurde. Aber natürlich geht das nicht von heute auf morgen und vielleicht wird es auch gar nicht wieder richtig gut. Wir müssen sehen und geduldig sein.

Für manche unserer Patenfamilien war das ganze Unglück allerdings ein richtiger Glücksfall. Denn bei allem, was jetzt wieder aufgebaut werden muss, gibt es viel Arbeit für Ungelernte und Tagelöhner.

Was unsere Trauma-Gruppen angeht, so möchte ich mich noch einmal ganz, ganz herzlich für Eure Unterstützung bedanken, die hat sehr viel Gutes bewirkt. In fast jedem Viertel gibt es jetzt eine Gruppe, Studenten von der Universität leiten sie und wir konnten sie durch eure Hilfe mit Material ausstatten.

Die Patenschaften sind aber der Schwerpunkt meiner Arbeit. Hier werde ich inzwischen ständig angefragt. Durch die Familien selbst, aber nun wenden sich auch schon Richter oder das Jugendamt an mich mit der Bitte, bestimmte Familien aufzunehmen. Ich fahre einen kleinen roten Wagen, wenn der in den entsprechenden Vierteln auftaucht, laufen schon immer alle Kinder zusammen und bitten um Hilfe. Sie nennen mich alle „Tante Elsa“

 

 

   Patenschaften in São Lourenço