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Ein Besuch in der Schule Wend Raabo
in Nioko bei Ouagadougou in Burkina Faso

Die Schule liegt in einem Außenbezirk von Ouagadougou, und wir erreichen sie über eine nur teilweise asphaltierte Straße. Das große Tor in der Mauer, die das Schulgelände umgibt, ist weit geöffnet zu unserem Empfang. Der Wächter am Tor erhebt sich und grüßt freundlich. Kaum haben wir den Wagen verlassen, werden wir schon mit lauter Musik empfangen. Der Rektor der Schule, Herr Belem Sidiki hat extra für Musik gesorgt. Da wir – sehr afrikanisch – etwas spät sind, fangen wir sofort mit der Besichtung der Klassen an. In jedem Klassenraum, inzwischen sind es 7, werden wir mit einem Lied begrüßt. Danach stellt uns der Lehrer die Schüler vor, deren Schulgeld von deutschen Paten bezahlt wird. Auf einer kleinen Tafel am Eingang des Raumes ist die Anzahl der Kinder notiert, eingeteilt in Mädchen, Jungen und „Sozialfälle“. Erfreut stellen wir fest, dass in jeder Klasse mindestens genauso so viele Mädchen wie Jungen sind, teilweise sind es sogar mehr Mädchen. Diese Auflage hatten wir dem Rektor ja schon vor Jahren gemacht, wenn er Unterstützung von Deutschland haben möchte. „Eduquer une fille, c’est éduquer une nation“ (ein Mädchen erziehen, heißt eine Nation ausbilden) hat Léopold Sengor einmal gesagt. Das ist für Afrika ganz besonders wichtig. Erst wenn die Mädchen ausgebildet sind, werden auch die Mütter ihre Kinder (besonders die Söhne) anders erziehen.

Im Eilschritt werden wir durch die einzelnen Klassen gescheucht. Natürlich wird uns auch die neue Latrine vorgeführt, die unserer Meinung nach aber noch nicht in Benutzung sein kann, dazu ist alles noch zu sauber und .... man sieht nicht eine einzige Fliege!!

In der Küche, wo in zwei großen Kesseln das Mittagessen zubereitet wird, wird die Holz sparende Feuerstelle leider nicht mehr benutzt. Hier ist wohl im Laufe der letzten 6 Jahre wieder Wissen verloren gegangen.

Voller Stolz führt uns Monsieur Belem dann die neuen Lehrwerkstätten für Schneiderinnen vor. Hier werden zur Zeit 20 junge Frauen/Mädchen von drei Lehrerinnen ausgebildet. In den drei sehr sauberen Räumen begrüßen uns die jungen Frauen natürlich auch mit einem Lied. Die Lehrerinnen, sehr energische junge Frauen, erklären uns den Ablauf der Ausbildung. Diese geht über 3 Jahre. Im ersten Jahr lernen die Frauen sticken nach traditionellen Mustern und einfache Nähte auf der Maschine nähen. Im zweiten Jahr wird das Färben von Stoffen gelehrt nach traditioneller Art und auch mit modernen Mitteln. Im dritten Jahr lernen die Frauen das Zuschneiden und Nähen. Dann dürfen sie auch bereits kleine Aufträge annehmen, und die von ihnen

hergestellte Kleidung verkaufen. Ziel ist es, den Frauen, die Möglichkeit zu geben, mit dem so verdienten Geld, sich eine eigene Maschine zu kaufen. Die Frauen sollen außerdem die Schulkleidung für die 350 Kinder

nähen. Einige Kinder tragen die blau-gelben Kleider oder Hemden bereits. Es ist natürlich eine Frage der Kosten bis alle Kinder Schulkleidung erhalten können. Viele Eltern können das nicht finanzieren.

Die Schule erhält immer wieder Auszeichnungen vom Erziehungsministerium für besonders gute Resultate bei den jährlichen Examen. Erstaunlich viele Kinder schaffen nach den 6 Jahren Grundschule den Übergang auf eine weiterführende Schule.

Alle Schulen in Burkina Faso, auch die staatlichen, kosten Schulgeld, was viele Eltern nicht bezahlen können, und so werden die Kinder nicht zur Schule geschickt, besonders natürlich die Mädchen. Darum suchen wir auch nach wie vor Paten, die bereit sind, das Schulgeld für ein Kind zu bezahlen. Für € 40,00 kann ein Kind ein Jahr lang zur Schule gehen.


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