Andere Projektländer  

Aufbau einer Bäckerei in Kirtipur
Existenzgründung  für arme Newari-Frauen

Projektbetreuung in Walldorf:

 

Wilfried Gerfen

 

Projektbetreuung vor Ort:

Lalita Maharjan,

Fraueninitiative Kirtipur;

 

Olivia Kummel,

Deutscher Entwicklungsdienst

 

"Unsere" Bäckerei hat Ende des Jahres 2007 den Betrieb aufgenommen. Bitte lesen Sie bitte den Foto-Bericht von der formellen Einweihung im April 2008

 

Aus unserem Jahresbericht 2007:

Thambahal ist eine von 12 Nachbarschaften (Toles) im Altstadtteil von Kirtipur. Hier gründeten 13 Newari-Frauen 2006 eine Initiative für neue Beschäftigungsmöglichkeiten zum Unterhalt ihrer Familien. Durch unsere Unterstützung konnte das Dorfgemeinschaftshaus aufgestockt und ausgebaut werden, um hier, entsprechend den Plänen der Frauen, eine Bäckerei und ein kleines Restaurant einzurichten.

Die Frauen absolvierten zur Vorbereitung zwei Trainings zur Geschäftsführung von kleinen Unternehmen und zum Bäckerhandwerk im staatlichen Trainingszentrum in Kathmandu.

Das zusätzliche Geschoss wurde in zwei Räume für die eigentliche Bäckerei und einen Nebenraum zur Lagerung und Vorbereitung unterteilt. Der große Back-Raum kann auch weiterhin für die traditionellen Newari-Feste im Tole mitgenutzt werden. Am 22.11.2007 zogen die Frauen in "ihre" Bäckerei ein. Sie hatten selbst die gesamte Organisation übernommen.

Durch Initiative der Männer des Tole wurde noch ein weiteres Teil-Geschoss aufgebaut, in dem künftig historische Musikinstrumente der Anwohner untergebracht werden können. Während das erste Geschoss die Bäckerei beherbergt, finden im Erdgeschoss die Versammlungen und Feste statt; hier üben auch die traditionellen Musikgruppen für die religiösen Jatras. In der Bäckerei sind zunächst vier junge Frauen dauerhaft beschäftigt. Täglich werden zur Zeit 256 Doughnuts und 24 runde Brötchen produziert, die von 20 Geschäften in der Umgebung und von der lokalen Bevölkerung abgenommen werden. Der monatliche Gesamtgewinn beträgt derzeit schon 11 Euro!

Obwohl unsere Unterstützung der Jana Sewa-Schule in Kirtipur bereits beendet war, hat  die Schule 2007 noch einmal Spendenbeträge und eine außerordentliche Zuwendung vom Verein erhalten .

Rechenschaftsbericht:

noch: Rechenschaftsbericht des Vorprojektes Schule Jana Sewa Madhyamik Vidyalaya:

Übertrag aus 2006:

3.261,23 €

aus Spenden erbrachter Betrag:

800,00

aus Mitteln des Vereins erbrachter Betrag:

1.234,00 €

an die Schule überwiesener Betrag:

2.034,00 €

   

Der Restbetrag von € 3.261,23 wird auf das Newari-Bäckerei-Projekt übertragen

Rechenschaftsbericht Newari-Bäckerei  
Übertrag aus dem Schul-Projekt 

3.261,23 €

durch Spenden erbrachter Betrag:

2.150,00 €

 aus Mitteln des Vereins erbrachter Betrag: 

3.050,00 €

an Olivia Kummel überwiesener Betrag:

7.200,00 €

  Übertrag auf 2008: 

1.261,23 €

 

Unser Bäckerei-Projekt:
Ein Musterbeispiel für besonders erfolgreiche Hilfe zur Selbsthilfe

Begründung unseres neuen Projektes ab April 2007

In der Männergesellschaft Nepals tragen die Frauen die Hauptlasten des täglichen Lebens. Wegen der großen Armut, die den Familien schon in der Vergangenheit nur die Möglichkeit ließ, höchstens ein Kind in die Schule zu schicken – und das war in aller Regel ein Sohn -, verfügen viele Frauen heute nur über eine unzureichende Bildung. Sie kümmern sich um das Haus, die Erziehung der Kinder und schuften auf den Reisfeldern, an den Webstühlen der zahlreichen häuslichen Teppichmanufakturen und die Ärmsten sogar in den umliegenden Steinbrüchen, um den Lebensunterhalt für die Familie zu sichern.

Über alledem sind die Frauen in Kirtipur die Bewahrerinnen der alten Newari-Kultur, die durch eine eigene Sprache, tiefe Religiosität und unzählige Riten innerhalb und außerhalb des Familienkreises gekennzeichnet ist.

Holi-Jatra

 Im Steinbruch

 Am Webstuhl

 Beim Reistrocknen

Initiierung der Knaben

Holi-Festmahl

Die Kernstadt Kirtipur ist in 12 Nachbarschaftsbezirke, sog. Toles, aufgeteilt. Die Menschen in einem Tole pflegen eine besondere Zusammengehörigkeit. An einem zentralen Platz versammeln sie sich für religiöse Aktivitäten. Im Nachbarschaftsbezirk 'Thambahal' haben sich vor einiger Zeit arme und arbeitslose Frauen zu einer Art Kooperative zusammengeschlossen, deren Ziel es ursprünglich war, die alten Newari-Traditionen durch gegenseitige Unterstützung aufrecht zu erhalten. Man sammelt  in den Haushalten monatlich Kleinstbeträge ein (z.B. 20 Rupien = 22 Cent), um damit  für die Ärmsten der Armen die unverzichtbare traditionelle Kleidung und Ausstattung für religiöse Traditionen zu finanzieren oder auch mal eine kleine Unterstützung zum Lebensunterhalt zu leisten. Seit 2006 wird auch die regelmäßige Reinigung der Gassen und Wege und die Müllbeseitigung im Tole organisiert.

Im Spätsommer 2006 entwickelte die Fraueninitiative im Tole Thambahal die für die nepalesische Gesellschaft durchaus "revolutionäre" Idee, für arbeitslose Frauen aus besonders einkommensschwachen Familien eine Bäckerei einzurichten, wo durch die Herstellung von Backwaren neue Chancen für den Lebensunterhalt der Familien geschaffen werden können.

Die private Initiative "Nepalhilfe Kirtipur" hat sich dann im Herbst 2006 gemeinsam mit dem Verein "Hilfe zur Selbsthilfe Walldorf e.V." entschlossen, den Newari-Frauen bei der Realisierung ihres "Traumes" zu unterstützen.

Trainingsphase

Im November 2006 hatten sich sieben Frauen des Dorfes zu einem ersten Training zur Geschäftsführung von kleinen Unternehmen im staatlichen Trainingszentrum in Kathmandu angemeldet. Die täglichen Busfahrten von Kirtipur in die Hauptstadt (ca. 20 Rupien) sowie ein Zuschuss zum auswärtigen Essen - Kosten, die die Frauen finanziell überfordert hätten ! - wurden von gtz/ udle (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit/ urban development through local efforts) getragen. ein weiteres 3-wöchiges Training, das das eigentliche Bäckerhandwerk zum Inhalt hatte, fand im Februar/März.2007 statt und wurde von insgesamt 13 Frauen absolviert. Die notwendigen Arbeitsmaterialien wurden wiederum von gtz/ udle finanziert.

Für die Trainingseminare selbst  wurden vom staatlichen Trainingszentrum keine Gebühren erhoben.

Nach Abschluss der Trainingsseminare präsentierten die 13 Teilnehmerinnen stolz ihre  Zertifikate, gekleidet in ihre  Festtagskleider.

Die Selbsthilfe-Initiative der Frauen drohte aber zu scheitern, da es zunächst nicht gelang, einen Raum für die gemeinschaftliche Backstube zu finden und mit den erforderlichen Gerätschaften einzurichten.

Die Lösung:
Erweiterung eines vorhandenen, im Rohbau befindlichen Gemeinschaftshauses des Toles um ein weiteres Stockwerk, finanziell unterstützt durch unseren Verein und die Initiative "Nepalhilfe Kirtipur"

Vorderansicht des im Rohbau
vorhandenen Gemeinschaftshauses.
Die Bäckerei wird im 1. Stock entstehen

Rückwärtige Ansicht des Gemeinschafts-
hauses; Fenster und Türen fehlen hier
aus Geldmangel noch vollständig

Der Zentrale Platz des Thambahal-Toles
mit der identitätsgebenden Buddha-Statue
und dem nachbarschaftlichen Gebetshaus.

Aufbau der Bäckerei

Für die Errichtung eines zusätzlichen Geschosses auf das vorhandene Gemeinschaftshaus Thambahals wurde durch Fachleute der Gemeindeverwaltung Kirtipur ein Kostenplan aufgestellt. Die neunmonatigen Bauarbeiten des Bauwerks aus Ziegelmauerwerk einschließlich verglaster Holzrahmenfenstern wurden Mitte März 2007 mit dem Errichten der Stützen begonnen. Mit der Konstruktion des Betonflachdaches wurden die Rohbauarbeiten Ende April 2007 beendet. Die Konstruktion des Daches nahm einige Zeit in Anspruch wegen des frühzeitigen Einsetzend des Monsuns im Juni, der eine Verlängerung des Trockenprozesses mit sich brachte. Diese Arbeiten konnten erst Mitte August abgeschlossen werden. Das Fensterglas wurde Ende September eingesetzt. Durch die ungewöhnliche Heftigkeit des Monsuns mit schweren Regenfällen konnte das Verputzen der Innenräume erst Ende Oktober 2007 kurz vor dem Fest Dewali (Lichterfest und Neujahrsfest der Newari) abgeschlossen werden da sich das Trocknen des Putzes verzögerte. Das zusätzliche Geschoss wurde in zwei Räume unterteilt. Ein kleiner Raum, der zum Gehen der Hefe verwandt wird und in dem der  Backofen steht und ein großer Raum, wo die Backwaren ausgebacken und ein Lager mit den Regalen eingerichtet werden soll. Der große Raum kann auch weiterhin für die großen Newarifeste der Nachbarschaftsgemeinschaft mitgenutzt werden.

Die Bäckerei wurde weitgehend in Selbsthilfe der Bevölkerung aus Thambahal  mit ungelernten Arbeitern und den erforderlichen qualifizierten Handwerkern aufgebaut. Die Bauarbeiten wurden von den Frauen selbst organisiert. Am 22.11.2007 zogen die Frauen in den kleinen Raum ein, nachdem die Männer des Ortes "die günstige Gelegenheit genutzt" hatten, das Projekt der Frauen für ihren Plan einer weiteren Aufstockung des Gebäudes zu nutzen.

Das Gemeinschaftshaus hat nun drei Geschosse. Das Erdgeschoss dient als Gemeinschaftsraum, in dem Versammlungen und Feste stattfinden und auch von der örtlichen Musikgruppe zum Üben verwandt wird. Das erste Geschoss beherbergt die Bäckerei und das weitere, von den Männern zusätzlich errichtete Geschoss dient einem gemeinschaftlich verwalteten Newari-Restaurant „Newa Lohana“ mit einer Art Freilichtmuseum, in dem man die spärlichen Touristen des Ortes künftig mit der Newari-Kultur vertraut machen möchte.

Die Bauarbeiten für die Aufstockung im vollen Gange; durch die Frauen selbst koordiniert!

Die Jungen lernen von den Alten:
Die Bauarbeiten werden überwiegend
kostensparend in Selbsthilfe durchgeführt

Der große Backstuben-Raum,
kurz vor der Fertigstellung

Der Backofen - schon vor der Fertig-stellung der Rohbauarbeiten durch die Frauen in Betrieb genommen.

Ansicht des Gemeinschaftshauses
im Dezember 2007 - jetzt mit 2 neuen
Geschossen und Fenstern und Türen.

Schon vor Abschluss der Baumaß-
nahmen erproben die Frauen ihre
Back-Künste.

Ausstattung der Backstube

Bereits vor der Fertigstellung des neuen Geschosses wurde ein Backofen für das Backen von runden Brötchen und Torten, ein Wok zum Backen von Doughnuts und eine Mix-Knetmaschine von unseren Spendengeldern gekauft. Ein Kerosin- und ein Gaskocher sowie die Doughnutformen zum Ausstechen wurden von dem Eigenanteil von 5000 RS der 13 Frauen angeschafft. Dieses Geld (ca. 55 Euro) konnte bereits wieder an die Familien zurückgezahlt werden. Für die Verwaltung der Finanzen wurde ein Konto für die Bäckerei bei einer lokalen Bank eröffnet. Schon vor Abschluss der Baumaßnahmen ließen es sich die Frauen danach nicht nehmen, erste Back-Versuche zu unternehmen.

Eine Förderung der allgemeinen Grundausstattung der Bäckerei mit Regalen, Backformen, Kühlschrank, Multifunktions-Küchenmaschine und Mobiliar wie Schrank, Tisch und Stühle erfolgte aus Spendengeldern der Nepalhilfe Kirtipur nachdem die Baumaßnahmen erfolgreich abgeschlossen waren. Diese Grundausstattung wird nun Zug um Zug vervollständigt.

Der Betrieb der Bäckerei seit Dezember 2007:

Ein wirtschaftliches Phänomen!

Heute arbeiten in der Bäckerei vier junge Frauen, die den eigentlichen Backbetrieb aufbauen und vergrößern sollen. Die anderen Frauen, die das Training abgeschlossen haben, arbeiten derzeit in dem angeschlossenen Newari-Restaurant oder sind in Mutterschaft. Da die Bäckerei derzeit noch nicht genügend Profit abwirft, um noch mehr Frauen zu beschäftigen, wird die Bäckerei zunächst nur mit vier Frauen betrieben.

Die Frauen arbeiten von morgens um 3 Uhr bis 8 Uhr. Täglich produzieren sie 256 Doughnuts (32 Pakete mit 8 Doughnuts) und 24 runde Brötchen. Die Backwaren werden von 20 Geschäften in der Umgebung und von der lokalen Bevölkerung abgenommen. Drei Mal in der Woche werden am Nachmittag dem Restaurant Dougnuts als Mahlzeit für die Angestellten verkauft.

Am Tag werden ungefähr 200 Rupien (NRP) Umsatz erwirtschaftet und die Frauen verdienen im Monat zusammen ca. 1000 NRP (das entspricht etwa 11 Euro, 1Euro = 90 NRP). Zwei ältere Männer aus Thambahal verteilen die Backwaren. Ein weiterer Mann soll angestellt werden, um die Backwaren auch im Universitätsgelände unweit des Ortes zu verkaufen. Auf Anfrage backen die Frauen auch Geburtstagstorten.

Die Bäckerei wird zusammen mit dem Restaurant/Museum von einem Ausschuss bestehend aus 11 Leuten aus Thambahal verwaltet, 5 davon sind Frauen,. Eine der Frauen ist gleichzeitig in der Bäckerei tätig .

In Zukunft sollen die Frauen noch ein Training zum Backen von Keksen bekommen, die dann auch an Geschäfte und im Restaurant verkauft werden. Des Weiteren soll auf längere Sicht eine Verkaufsstelle in Thambahal eingerichtet werden.

Die Frauen nehmen im Dezember 2007 "ihre" Bäckerei in Betrieb


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