Andere Projektländer   

Multiple Campus an der Jana Sewa H.S.S.
Bachelor-Studium für benachteiligte Jugendliche

Projektbetreuung in Walldorf:

Wilfried Gerfen

 

Partner in Deutschland

Rotary Clubs im Raum Darmstadt

Projektbetreuung vor Ort:

 

Madhab Lal Maharjan,
Nanda Kumari Maharjan

 

Hintergrund zu diesem Projekt:

Das Nepalesische Schulsystem sieht vor, dass besonders qualifizierte Sekundarschulen die Zulassung für zwei weitere Schuljahre für Schüler nach dem SLC-Examen erhalten können. Diese Schuljahre 11 und 12 bieten eine berufsorientierte Ausbildung in von Schule zu Schule unterschiedlichen Fachrichtungen. Nach der Zulassung nennen sich diese Schulen dann "Higher Secondary School" und die Ergänzungs-Schuljahre werden umgangssprachlich "10+2" genannt.

Erfolgreiche Absolventen von "10+2" erwerben damit unter anderem das Recht, sich um die Zulassung an einem College zum Beginn eines Bachelor-Studiums zu bewerben.

Die Kosten für ein Bachelor-Studium an einem privaten College übersteigen allerdings die finanziellen Möglichkeiten vieler armer Familien. Nicht nur wegen des Schulgeldes, sondern in vielen Fällen auch schon wegen der Tatsache , dass die Studienmöglichkeiten nicht im Heimatdorf verfügbar sind. Allein die Kosten für auswärtige Unterbringung und Verpflegung des Studenten oder alternativ das tägliche Fahrgeld sprengen häufig das Finanzbudget in den Familien.

 

Das in Nepal gebräuchliche Bildungskonzept  "Multiple Campus" ermöglicht es, die in den Orten vorhandenen staatlichen Höheren Sekundarschulen (10+2) in Kooperation mit verschiedenen Fakultäten der Universität und nach einem aufwendigen Zulassungsverfahren um entsprechende Bachelor-Studiengänge zu erweitern. Den 10+2-Absolventen in den Dörfern wird so die Möglichkeit geboten, einen höheren Bildungsweg im gewohnten Umfeld der bisherigen Schule bei moderaten Studiengebühren und mit wesentlich geringerer finanziellen Belastung durch Nebenkosten zu starten.

Die renommierte staatliche Jana Sewa Higher Secondary School im Ortsteil Panga/Kirtipur (über mehrere Jahre durch Hilfe zur Selbsthilfe Walldorf e.V. umfangreich saniert und erweitert) hat sich seit längerem um die Zulassung für einen "Multiple Campus" für die Studiengänge 'Management', 'Education' und 'Humanities' (Betriebswirtschaft, Lehramt, Sozialwesen) bemüht.

Die allgemeine Zulassung seitens der Tribhuvan Universität erfordert neben einem Nachweis hinreichend qualifizierten Lehrpersonals auch den Nachweis einer adäquaten Ausstattung der Schule z.B. mit naturwissenschaftlichen Einrichtungen, Bibliotheken, zeitgemäßen Multimedia-Einrichtungen etc. Diese materiell-qualitative Verbesserung hat die Schule jedoch vor unüberwindbare finanzielle Probleme gestellt. Zusätzlich entstehen hohe Zulassungsgebühren  zur Bereitstellung diverser administrativer Voraussetzungen und für für Sicherheitsleistungen seitens der Partner-Universität.

Im Herbst 2012 wurden wir von den drei Rotary Clubs im Raum Darmstadt gebeten, unsere Erfahrungen und Kontakte in Nepal im Namen der drei Clubs für die Planung und Koordinierung eines anspruchsvollen Bildungsprojektes zur Verfügung zu stellen.

Wir sind dieser Bitte gerne gefolgt, zumal das angestrebte Projekt in voller Höhe durch Spenden der Rotary Clubs finanziert werden sollte.

Unser Vorschlag, die Jana Sewa Higher Secondary School bei der Einrichtung eines Multiple Campus für Bachelor Studiengänge in Betriebswirtschaft zu unterstützen, wurde von den Rotary Clubs nach intensiver Beratung vorbehaltlos begrüßt. Ziel des Projektes ist die vermehrte Bereitstellung höherwertiger Bildungswege vor allem für benachteiligte Jugendliche in Nepal zu finanziell erträglichen Konditionen. Es stellt somit eine hervorragende Ergänzung unseres Stipendien-Programms in Nepal an, mit dem benachteiligte Kinder bis zum Abschluss der Mittleren Reife gefördert werden.

Für das Projekt wurden uns  ca. 26.000 Euro an zweckgebundenen Spenden zur Verfügung gestellt.

Struktur des Hilfsprojektes

Die Zulassung der Jana Sewa Schule für den Studiengang 'Betriebswirtschaft' durch die Nepalesische Tribhuvan Universität setzt neben der fachliche Qualifikation der Lehrkräfte vor allem das Vorhandensein diverser sachlicher Einrichtungen voraus, die im Rahmen unseres Projektes realisiert wurden:.

 

Installation einer unterbrechungsfreie Stromversorgung

Unverzichtbar für kontinuierliche Unterrichtsgestaltung angesichts der üblichen Stromausfälle in Nepal,

 
 

Installation einer Computer-Infrastruktur für multimedialen Unterricht

WLAN-Netzwerk im gesamten Schulbereich, 10 zusätzliche leistungsstarke (LapTop)-Computer.

 
 

Ausstattung und Möblierung einer studiengerechten Bibliothek

 
 

Möblierung von 4 zusätzlichen Klassenräumen

 
 

Audiovisuelles Sprach-Labor

Technische Einrichtungen und Möblierung zur Präsentation software-basierter Lerninhalte als erste Ausbau-Stufe

 
 

Upgrade des vorhandenen "Science Lab"

 

 

Nach der Zulassung durch die Tribhuvan Universität Kathmandu bekam die neue Studieneinrichtung den Namen
"Janadhar Community Campus"
und unverzüglich wurden in den Medien Aufrufe zur Einschreibung für den Studiengang Betriebswirtschaft veröffentlicht.

 

Umsetzung des Projektes

Unterbrechungsfreie Stromversorgung und Computer-Infrastruktur

Der Einsatz von Computern, Projektoren und anderen elektronischen Geräten ist aus dem zeitgemäßen Unterrichtsbetrieb nicht nur einer Studieneinrichtung, sondern auch an allgemeinen Schulen nicht mehr wegzudenken.

Auch der Janadhar Community Campus war deshalb zu seiner Gründung vorrangig mit einer leistungsfähigen Computer-Infrastruktur auszustatten.

Grundvoraussetzung für den freizügigen Betrieb elektronischer Geräte ist allerdings die uneingeschränkte Verfügbarkeit elektrischer Energie. Seit vielen Jahren ist das in Nepal jedoch nicht gewährleistet. Je nach Jahreszeit (und abhängig von Wasserkraft-Energie) wird im Kathmandutal der elektrische Strom täglich zwischen 10 und 14 Stunden, manchmal sogar länger,  abgeschaltet ('load shedding'). Die Abschaltzeiten sind völlig unbestimmt und häufig ist elektrischer Strom nur nachts verfügbar.

Die erste Projektmaßnahme war daher der Aufbau einer Solar-Anlage auf dem Dach der Schule mit den erforderlichen Speicherbatterien und einem Verteilnetz.

Solar-Paneele auf dem Dach der Schule

Inverter und Batterien

Janadhar Community Campus / Jana Sewa Higher Secondary School gehören zu den ersten Bildungseinrichtungen im Kathmandutal mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung auf Basis einer Solaranlage. Darauf ist man besonders stolz und wirbt für die Errungenschaft gerne mit dem Slogan: JCC and Jana Sewa - Power for 24 hour(s)

Arbeitsraum der Studenten mit der wandmontierten WLAN-Installation und 10 neuen DEL-Laptops

Anfang 2015 hatte der Janadhar Community Campus bereits ca. 45 Studierende

 

Fachbibliothek für den Studiengang Betriebswirtschaftswissenschaften

Für die neuen Bachelor-Studiengänge haben wir die 'alte' Schulbibliothek mit neuem Mobiliar und dem kompletten Fachbuchbedarf für das 4-jährige Studium ausbauen lassen. Alle Bücher sind für die Ausleihe mehrfach vorhanden. Die Bibliothek wird aber auch als Treffpunkt der Studierenden für das gemeinsame Lernen genutzt.

Die Bücherei wurde von Anfang an für den kompletten 4-jährigen Bachelor-Studiengang ausgelegt . . . .

Dank-Plaketten für alle Einrichtungen

. . . . . . .  und wird von den Studenten rege genutzt!

 

Möblierung von vier weiteren Klassenräumen


In Nepal gelten möglichst volle Klassenräume im allgemeinen  als positives Zeichen für die Nachfrage und somit als ein Qualitätsmerkmal einer Schule.

Insgesamt wurden im Rahmen unseres Projektes 4 Klassenräume für je 48 Studenten mit zeitgemäßen Möbeln ausgestattet (nicht zu vergleichen mit den westlichen Standards).

 

Audiovisuelles Sprach-'Labor'

Die Förderung eines Audiovisuellen Sprachlabors in diesem Projekt bezieht sich lediglich auf die finanziell moderate technische Basisausstattung mit Projektor, Projektionstafel und Computern sowie einer vorbereiteten Möblierung für den möglichen künftigen Einsatz Computer-Software-gesteuerter Sprachausbildung.

Die derzeitige Sprachausbildung basiert deshalb auf handelsüblichen, video-unterstützten, aber nicht interaktiven  Lernprogrammen.

Studierende des JCC im "Audiovisuellen Sprachlabor"
In der Ecke hinten links: Teil der WLAN-Installation
In der Mitte oben: Projektor

Blick in das "Audiovisuelle Sprachlabor"
mit Projektions-Tafel

 

Upgrade des Science Lab

Ein Upgrade des vorhandenen Labors, das als eines der ersten seiner Art in der Region des Kathmandutales im Jahr 2004 durch "Nepalhilfe Kirtipur" gesponserten worden war, war zunächst mit einem relativ hohen Kostenaufwand in die Gesamtkosten-Schätzung August 2013 eingegangen. Im Projektverlauf hat sich jedoch die Erkenntnis gefestigt, dass dieser Maßnahme im Vergleich zu den übrigen 5 Projekt-Teilen und angesichts der für diese teilweise stark gestiegenen Kosten, nur eine geringere Priorität beizumessen war.

In den Verhandlungen zum Projektverlauf wurde daher empfohlen, die Aufwendungen für das Upgrade zu Gunsten der notwendigen höheren Kosten bei den übrigen Maßnahmen auf etwa die Hälfte des noch im August 2013 geschätzten Wertes bzw. auf den nach Abschluss der ersten 5 Teilprojekte noch verbliebenen Betrag von ca. 3.000 Euro zu begrenzen.

Die Beschaffung der sehr umfangreichen Ergänzungen zur Laborausstattung wurde erst nach dem Erdbeben im April 2015 auf der Basis eines vorher eingeholten Angebotes eingeleitet. Die Lieferung derselben erfolgte dann im September 2015.  Die nachfolgenden Bilder zeigen das Labor mit den teilweise noch nicht ausgepackten und eingeräumten/eingerichteten Labor-Utensilien.

 

Das Projekt wurde im Frühjahr 2015 abgeschlossen

Eine Kurzinformation zu diesem Projekt finden Sie
in unserem Jahresbericht 2016

 

 


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